Der Weg zum Hotel

Einige von uns haben im Hotel übernachtet - wenn man die paar Stunden Schlaf so nennen kann. Trotzdem mußte man ja dorthin gelangen. Matthias schildert es so:

Todesangst in Glandorf

Es trug sich zu am Sonntag, den 19. November 2000. Es ist 4:30 Uhr.

Eine kleine Gruppe von 5 mehr oder minder zurechnungsfähigen Gestalten analysiert im Hause Nr. 9 des Frankenweges im kleinen Dorfe Glandorf die Möglichkeiten, zu dieser frühen Stunde in das Hotel Herbermann zu gelangen.

Nach kurzer, aber heftiger Diskussion überzeugt die Aussicht auf eine romantische Nachtwanderung die triste Alternative der Taxifahrt. So ganz nebenbei hegt die Hausherrin Hi Druhn vom Geschlecht der Wölfe auch Zweifel, ob jemals zu dieser Stunde ein Taxi in Glandorf gesehen wurde. Außerdem seien es nur etwa 1000 m Fußmarsch.

Mit der präzisen Wegbeschreibung von Hi Druhn macht sich die kleine Truppe (WF, Hans, Marcus, Sandra und Matthias) auf, das Nachtquartier zu erreichen. Es ist eine kalte und klare Nacht. Der bevorstehende Winter läßt den wackeren Gesellen Hans Herber in seiner allzu dezenten Kluft erzittern.

Nun geht es los. Allen klingen Hi Druhn's Worte im Ohr "Immer den Weg entlang, bis es nicht mehr geradeaus weiter geht und dann links". Schon die erste Richtungsabweichung läßt Zweifel aufkommen. Geradeaus? Da ist doch das Seniorenwohnheim, oder? Und nun links? Nein, das kann nicht sein. Aber der Weg ist doch eindeutig zu Ende und eine Querstraße erfordert eine Entscheidung. Gut, noch kann Einigkeit erzielt werden. Halb rechts geht es weiter. Doch schon wird Unmut laut. Der Haudegen WF balanciert haarscharf am Bordstein entlang. In eleganten Bögen umkurvt er instinktiv und trittsicher am Boden liegende Laubblätter.

Inzwischen naht die nächste Prüfung: Eine Straße, die unter normalen Umständen eindeutig als Hauptstraße erkannt werden könnte. Jetzt bricht eine offene Konfrontation aus. Hans zieht es nach rechts. Sein Orientierungssinn weise ihm den Weg. Matthias zieht erstmals die Verwendung elektronischer Hilfsmittel in Betracht, um die Göttin der präzisen Wegbeschreibung um Rat anzurufen. Aber er zögert noch mit dieser drastischen Maßnahme.

Der kleine wirre Haufen konnte Hans noch einmal mitreißen. Gemeinsam fühlen sie sich so stark wie ein Omnibuss und soviel Platz brauchen sie auch auf der einsamen Straße. Die Zweifel werden stärker. Die Kälte durchdringt die Kleidung. Eine Kurve naht. Nun eskaliert die Situation. Hans beharrt darauf, das die andere Richtung zum Ziel führe. Matthias hält dagegen. Gnadenlos zückt er das Handy. Eine letzte Entscheidung: Wählen wir der Göttin Festnetz-Nr. oder Handy-Nr.? Marcus ergreift die Initiative und plädiert für die Handy-Nr. Dank perfekter Kommunikationstechnologie ist die Verbindung in Sekundenschnelle aufgebaut. Hi Druhn ist begeistert, daß wir schon nach so kurzer Zeit wieder Kontakt haben. Ein bißchen klingt sie allerdings so, als wäre sie schon kurz vorm Eintritt in die Tiefschlafphase.

Matthias versucht, die Panik, die sich breit macht, zu überspielen. Ruhig und sachlich beschreibt er die Umgebung. Ein Drogeriemarkt, eine Sparkasse und Anne's Lädchen. Als jedoch Hi Druhn die lapidare Aussage macht: "Ihr müßt die Straße entlang laufen bis zur Tankstelle" wird sich Matthias der scheinbar ausweglosen Situation bewußt. Den Kältetod am Rande vom Münsterland vor Augen ruft er mit heiserer Stimme in seine kleines unschuldiges Handy: "Hi Druhn, von hier aus gehen 4 Straßen weg. Und eine Tankstelle sehen wir nicht. Hilfe, Hilfe."

Plötzlich macht sich Entsetzen breit. Wo ist Hans? Gerade noch rechtzeitig kann er am Horizont ausgemacht werden, kurz bevor er hinter einer Hausecke verschwindet. Sein Instinkt, das Heft in die Hand zu nehmen, treibt in zurück, entlang des Weges, den er für den Richtigen hält. Der wagemutige Marcus sagt entschlossen und keine Widerrede duldend: "Ich hole ihn". Schon trabt er los, auf's Äußerste gefasst, bereit, eine verwirrte Seele zu retten. Bewundernd schaut Sandra ihrem Ritter nach. WF nimmt alles recht locker und scheint mit stoischer Gelassenheit bereit, auch notfalls einmal Glandorf zu umrunden.

Inzwischen hat sich Matthias wieder im Griff "Okay, Hi Druhn, Schlecker links, Sparkasse rechts, Anne's Lädchen im Rücken. Wohin?" Hi Druhn packt die Chance beim Schopfe und sagt schnell, bevor sich Matthias wieder umdreht: "Geradeaus". Die Würfel sind gefallen. Mit der Sicherheit eines großen Feldherren sagt Matthias: "Da entlang". Der wagemutige Marcus hat inzwischen den sich verzweifelt wehrenden Hans eingefangen und zurück gebracht.

Gemeinsam und mit der Gewissheit, noch einmal davon gekommen zu sein, machen sie sich auf den Weg. Die Häuser fliegen an Ihnen vorbei und da ist auch schon die Tankstelle. Hans murrt noch: "Da wäre ich jetzt schon längst gewesen, hätte man mich nicht zurückgezerrt.", aber da ist auch schon das Hotel.

Kurz darauf sinken die 5 Gefährten auf ihr Nachtlager. Nun sind sie in Sicherheit und es ist allen klar: Dieses Abenteuer wird ihnen noch lange in Erinnerung bleiben.

Der Morgen danach



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